Konzept zur Suchtprävention

Vorbemerkung zum Suchtbegriff

Seit vielen Jahren beschäftigen sich gesellschaftliche Gruppen, Politik und Justiz mit dem Thema Sucht. Allerdings wird dabei oft aus einem sehr eingeschränkten Blickwinkel heraus gearbeitet, nämlich aus dem Blickwinkel der Sucht nach illegalen Drogen. Restriktive Maßnahmen in diesem Bereich haben nicht zum gewünschten Erfolg geführt, so dass heute vielfach intensiv daran gearbeitet wird, die Suchtproblematik auf andere Art und Weise in den Griff zu bekommen.

Gibt es das Suchtproblem überhaupt? Ist es nicht vielmehr ein Problem vieler verschiedener Süchte, denen Menschen verfallen können? Dürfen wir erst von Sucht sprechen, wenn Menschen mit ihrem Suchtverhalten in die Illegalität abrutschen?

Die momentane Diskussion zu diesem Thema sieht die Gefahren von Sucht sehr differenziert. Es wird davon ausgegangen, dass die Möglichkeit, in irgendeiner Weise süchtig zu werden, bereits im frühen Kindesalter angelegt werden kann, dass aber darüber hinaus in jedem weiteren Lebensalter Suchtgefahr besteht.

Es gibt prozess- und stoffgebundene Süchte, z. B. Spielsucht oder Fernsehsucht sowie Alkohol-, Nikotin- oder Heroinsucht. Sucht kann psychische und/oder physische Abhängigkeit bedeuten.

Sucht hängt semantisch eng mit dem Wort "suchen" zusammen, so dass also Süchtige durchaus auch als Suchende bezeichnet werden können. Menschen, die auf der Suche nach der Befriedigung ihrer ureigenen Bedürfnisse sind, können in Abhängigkeiten geraten, wenn ihnen in irgendeiner Weise die Befriedigung dieser Bedürfnisse versagt wird. Daraus lässt sich auch ableiten, dass es den zur Sucht prädestinierten Menschen nicht gibt: im Grunde kann jeder damit konfrontiert werden.

Der Umgang mit der Suchtproblematik in der Schule

Die Schule ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft und spiegelt damit auch die Gegebenheiten der Gesellschaft wider. Also wird heute auch jede Schule mit der Suchtproblematik konfrontiert werden, wer dies negiert, ist entweder ignorant oder unwissend.
Als logische Konsequenz aus der Tatsache, dass eben auch Schule mit der Suchtproblematik konfrontiert ist, folgt, dass sich jede Schule überlegen muss, wie sie mit diesem Thema umgeht.

Hier bieten sich zwei Wege an:

  1. Der Umgang mit der Gesamtproblematik Sucht im Rahmen eines sehr weit gefassten Präventionsbegriffes.
  2. Der restriktive Umgang mit der speziellen Problematik illegaler Drogen.

Es ist klar, dass die Institution Schule illegale Drogen in ihrem Umfeld nicht dulden kann. Ebenso klar sollte allerdings sein, dass die Schule gemäß ihrem Erziehungsauftrag auch dafür zu sorgen hat, Suchtverhalten jeglicher Art entgegenzuwirken bzw. Schülern Lebens-Wege ohne Sucht aufzuzeigen.

Zum Begriff der Suchtprävention

Von der Wortbedeutung her gesehen heißt Prävention Vorbeugung. Wie aber kann tatsächlich der Gefahr, in irgendeiner Form süchtig zu werden, vorgebeugt werden?

Gesellschaftswissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen, denen eine ausreichende Befriedigung ihrer Bedürfnisse möglich gemacht wird, weniger suchtgefährdet sind als Menschen, denen dies - wenn auch in Teilbereichen - vorenthalten wird. Eine große Rolle scheinen hier u. a. auch emotionale Bedürfnisse zu spielen.

Hier kann Prävention ansetzen. Hier können Strategien entwickelt werden, wie Sucht vorgebeugt werden kann.

Für Kinder und Jugendliche scheint es z. B. unabdingbar, sich angenommen, geliebt und akzeptiert zu fühlen. Sie wollen aber auch - alters- und entwicklungsabhängig - Grenzen spüren und eigene Lebenserfahrungen sammeln.

Nicht der drohend erhobene Zeigefinger kann der Leitfaden in der Präventionsarbeit sein, sondern das Aufzeigen von Alternativen, die Hilfe bei der Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes oder das Angebot der Erfahrung der eigenen Grenzen, der Körperwahrnehmung und der Umwelt.

Ziele der Suchtprävention an den Privaten Oberlandschulen Weilheim

Unsere Schule verfolgt in der Suchtprävention zwei Wege:

  1. In verschiedenen Projekten, Informationen, Gesprächen, Unterrichtseinheiten wird "Sucht" thematisiert. Hier wird den Schülern die Problematik nahegebracht.
  2. Alle Schüler unserer Schule erhalten am Schuljahresanfang und in regelmäßigen Abständen immer wieder die Information, dass der Besitz, Konsum und Handel von illegalen Drogen an der Schule strengstens verboten ist und mit der sofortigen Entlassung geahndet werden kann. Selbstverständlich kann Präventionsarbeit nicht die Aufgabe eines einzelnen Lehrers sein, im Gegenteil müssen alle Kollegen mitarbeiten, dieses Thema zu behandeln. Jeder - egal ob Klassenlehrer, Fachlehrer, Vollzeit- oder Teilzeitkräfte muss bereit sein, diese Problematik zu bearbeiten.

Vorrangige Aufgabe darf es dabei keinesfalls sein, den Schülern misstrauisch nachzuspüren, ob irgendjemand irgendetwas mit (illegalen) Drogen zu tun hat, vielmehr muss vor allem über das Gespräch eine vertrauensvolle Basis für die Präventionsarbeit geschaffen werden. Nur über Gespräche ist es nämlich möglich, die Informationen zu erhalten und zu geben, die für die Verfolgung der oben beschriebenen Wege nötig sind.

Konkrete Präventionsarbeit

Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen

  • regelmäßige Mitarbeit im Arbeitskreis Sucht des Gesundheitsamtes (Frau Annette Kochanowski)
  • regelmäßige Mitarbeit auf Schulleiterebene im AK Sucht (Frau Ingeborg Krabler)
  • Kontakt zum Amt für Jugend und Familie in Weilheim und Schongau, Landsberg, Bad Tölz und Garmisch-Partenkirchen (Herr Johannes Roidl)
  • Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern in Weilheim, Penzberg und Schongau
  • Zusammenarbeit mit Psychologen und Sozialpädagogen (z. B. Herzogsägmühle, Gesundheitsamt)
  • Zusammenarbeit mit der PD Weilheim
  • Zusammenarbeit mit verschiedenen Krankenkassen (z. B. AOK, DAK)

Projekte und Unterrichtssequenzen

  • Pausenhofgestaltung
  • Besprechung der Problematik im Zusammenhang mit dem Deutschunterricht (z. B. zur Erörterung oder im Rahmen verschiedener Klassenlektüren)
  • Lesetagebuch zum Thema illegale Drogen
  • Gestaltung von Plakaten zur Suchtthematik
  • Arbeit mit Material der BzgA
  • Informationsveranstaltungen mit Referenten von außerhalb
  • Einsatz von Filmen zur Sucht-Problematik
  • Förderung von freiwilligen Aktivitäten der Schüler in der Schule (z. B. Gründung einer Schulband)
  • Aktive SMV-Arbeit
  • Regelmäßige Teilnahme am Projekt "sauba bleibm"

Schulphilosophie

  • Annehmen eines jeden Schülers/einer jeden Schülerin in seiner/ihrer Persönlichkeit
  • Gewährung einer Chance auch für solche jungen Menschen, die anderswo keine mehr haben
  • Offenheit für alle Anliegen und Probleme
  • Bereitschaft, im gegenseitigen Austausch Neues zu lernen
  • Stärkung der Persönlichkeit der Schüler, die Suchtmittel bislang gemieden haben und weiterhin meiden wollen.

Ingeborg Krabler, OStDin i.P.
Schulleiterin
(Schuljahr 2016/2017)